AUA-Vorstand Otto: “Wir bekommen keine Dreamliner”

Boeing 777 (Foto: René Steuer),
Boeing 777 (Foto: René Steuer),

AUA-Vorstand Otto: “Wir bekommen keine Dreamliner”

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Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Langstreckenflotte von Austrian Airlines leider derzeit aufgrund der Coronakrise nicht sonderlich viel Arbeit hat. Gleichzeitig haben manche Maschinen die besten Jahre bereits hinter sich und sollten ersetzt werden. Allerdings wird sich Lufthansa nicht an den Kosten neuer Flugzeuge für die Langstrecke beteiligen, erklärte Vorstandsmitglied Andreas Otto im Gespräch mit CH-Aviation.com.

Das bedeutet, dass Träume von Boeing 787 oder Airbus A350 wohl längere Zeit noch Träume bleiben werden. Kurzfristig ist in diese Richtung laut Otto auch rein gar nichts angedacht, denn erst „irgendwann im nächsten Sommer“ werde man den Flottenplan „erneut analysieren, da es derzeit schwierig ist Pläne zu erstellen“.

Bei der Bekanntgabe eines Auftrags über zwanzig B787-9 im Jahr 2019 hat die Lufthansa Group ein Jet-Rendering in die Lackierung von Austrian Airlines aufgenommen. Es wurde jedoch nie offiziell bestätigt, dass einer der B787 tatsächlich von der AUA betrieben werden würde. Otto wies darauf hin, dass die Bedingungen der jeweiligen staatlichen Rettungsaktionen Flugzeugtransfers innerhalb der Gruppe ausschließen. Damit stehen die Karten für Austrian Airlines verdammt schlecht über diese Order an nagelneue Dreamliner zu kommen.

Das Austrian-Airlines-Vorstandsmitglied dazu gegenüber CH-Aviation.com: “Wir haben derzeit finanzielle Probleme innerhalb der Gruppe. Jedes Unternehmen muss für sich selbst sorgen. Wir können nicht erwarten, dass uns vom Aktionär brandneue Flugzeuge zur Verfügung gestellt werden – wir könnten nicht dafür bezahlen und Lufthansa wäre nicht in der Lage, sie uns als Zuschuss oder Darlehen zu gewähren“.

Der AUA-Kommerzvorstand macht auch keinen Hehl daraus, dass die Langstreckenflotte in die Jahre gekommen ist und „irgendwann ersetzt werden muss“. Angesichts der aktuellen Marktlage hat man damit aber absolut keinen Stress, denn einige Boeing 767-300 kommen derzeit auf dem aufgrund der Coronakrise zusammengeschrumpften Langstreckennetz zum Einsatz, während die Boeing 777 allenfalls für Frachtflüge verwendet werden und ansonsten sich leider am Flughafen Wien sprichwörtlich die Räder plattstehen müssen. Aufgrund der vielen Einreise- und Quarantänebestimmungen gibt es kaum Nachfrage und damit leider keine Arbeit für die meisten Großraumjets von Austrian Airlines. Die Auslastung ist ohnehin katastrophal, es grenzt auf manchen Routen fast an ein Wunder, dass Austrian Airlines die Flüge überhaupt durchführt.

“Unter dem Gesichtspunkt der reinen Größe wäre die B767 derzeit besser, aber es handelt sich um den älteren Typ. Nächstes Jahr müssen wir unsere Großraumflotte überprüfen, ob wir beide Typen weiter betreiben oder auf einen reduzieren werden. Unser Businessplan, auf den wir uns mit den Banken und der Regierung geeinigt haben, sieht den Betrieb von neun Großraumflugzeugen, die aus sechs B777 und drei B767 bestehen, vor “, erklärte Otto gegenüber CH-Aviation.com.

Dash-8 könnte früher wegkommen, Airbus A319 dafür länger bleiben

Dem kleinsten Muster der AUA-Flotte könnte es noch früher sprichwörtlich an den Kragen gehen. Unabhängig des Umstands, dass die DHC Dash 8-400 derzeit ein äußerst wichtiges „Arbeitstier“ ist, um diverse Europaverbindungen aufrecht erhalten zu können, spricht Otto davon, dass die Turbopropflugzeuge möglicherweise nicht erst mit Ende des Winterflugplans 2020/21 ausgeflottet werden, sondern wahrscheinlich schon wesentlich früher. Angesichts der äußerst schwachen Auslastung, die Austrian Airlines – und so gut wie alle anderen europäischen Fluggesellschaften auch – derzeit verzeichnet, ist die Vorgehensweise durchaus fraglich. Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen zu sein, zumal einiges durchaus von den Entwicklungen der nächsten Wochen abhängen könnte. Die Regionalflotte soll sich künftig auf 17 Embraer 195 konzentrieren. Andreas Otto sagte gegenüber CH-Aviation, dass die Jets des brasilianischen Herstellerst „hervorragend zur aktuellen Situation passen“.

DHC Dash 8-400 (Foto: Austrian Airlines / Martin Dichler).

Im Bereich der Airbus-Flotte deutet das Austrian-Airlines-Vorstandsmitglied an, dass die sieben Airbus A319 länger als ursprünglich angekündigt in der Flotte bleiben könnten. Rückblick: Im April teilte der Carrier mit, dass alle A319 sowie drei von sechs Boeing 767-300 bis Ende 2022 ausgemustert werden sollen. Otto betont nun, dass man momentan am Plan festhält, räumt jedoch ein: „Zum Beispiel passen die A319 derzeit viel besser als die A320-200, die A321-100 oder die A321-200“. Weiters deutete er an, dass die Einsatzdauer der sieben Airbus A319 verlängert werden könnte, aber entschieden ist diesbezüglich „zumindest vorerst“ noch nichts.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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