Eurowings führt Ryanair-Handgepäcksystem ein

Gepäckstücke in einem Terminal (Foto: Pixabay).
Gepäckstücke in einem Terminal (Foto: Pixabay).

Eurowings führt Ryanair-Handgepäcksystem ein

Gepäckstücke in einem Terminal (Foto: Pixabay).
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Mit kleinen Abweichungen kopiert Eurowings das seit einiger Zeit bei Ryanair und Wizz Air praktizierte Handgepäck-Konzept: Passagiere, die den Basic-Tarif buchen, dürfen künftig nicht mehr das IATA-Standardmaß, sondern nur noch eine kleine Tasche mitnehmen. Die Änderung tritt am 31. August 2021 in Kraft.

In Branchenkreisen war schon länger bekannt, dass Eurowings die Handgepäck-Regeln der Mitbewerber Wizz Air und Ryanair kopieren wird. Lediglich der genaue Zeitpunkt war noch offen und verschob sich womöglich aufgrund der Corona-Pandemie nach hinten. Ab 31. August 2021 sollen Reisende im Basic-Tarif nur noch eine kleine Tasche mit den maximalen Abmessungen 40x30x25 cm mitnehmen. Wer beispielsweise einen Trolley mit maximal 55x40x23 cm und einem Höchstgewicht von acht Kilogramm mitnehmen möchte, muss mindestens zehn Euro extra bezahlen. Das Pricing ist flexibel und unterschiedet sich Flug für Flug. Welche Kosten direkt am Gate anfallen können teilte Eurowings nicht mit.

In der Presseerklärung verwendet die Lufthansa-Tochter eine irreführende Formulierung und erklärt, dass man sich dem „internationalen Branchenstandard“ anpassen würde. Das ist nicht der Fall, denn der internationale Standard ist das so genannte IATA-Standardmaß (55 x 40 x 20 cm). Lediglich einige wenige Airlines wie Condor, Wizz Air, Ryanair, Easyjet und andere haben das System der „kleinen Tasche“ eingeführt und bitten für größere Handgepäckstücke zur Kasse. Da Eurowings in der Vergangenheit häufig von Ryanair, Easyjet und Wizz Air kopiert hat, kommt die Änderung, die wohl primär zur Erhöhung der Einnahmen dient, nicht überraschend.

Fast deckungsgleich mit „Priority“ von Ryanair und Wizz Air

Das „Abkupfern“ geht sogar soweit, dass Passagiere, die für das größere Handgepäckstück bezahlen, in den Genuss von Priority Boarding kommen. Lediglich die Bezeichnung im Marketing lautet anders, jedoch ist das Ergebnis ident: Gegen Bezahlung darf ein zweites Handgepäckstück, das größer sein darf, mitgenommen werden und zusätzlich darf man die Priority-Schlange am Gate nutzen.

Bei Eurowings rechtfertigt man die versteckte Preiserhöhung übrigens fast deckungsgleich wie vor einiger Zeit die Mitbewerber Ryanair und Wizz Air: „Die Anpassung im Basic-Tarif soll auch zu weniger Staus an den Handgepäckfächern führen und damit ein schnelleres Ein- und Aussteigen ermöglichen. Erhebungen zeigen, dass Handgepäck nach wie vor einer der Haupttreibern für Verspätungen ist, etwa wenn Trolleys nach dem Boarding wegen überfüllter Gepäckfächer nachträglich in den Frachtraum verladen werden müssen. Der neugestaltete Basic-Tarif mit reduziertem Handgepäck trägt entscheidend dazu bei, die Prozesse an Bord weiter zu beschleunigen“.

Auch 12-Kilogramm Check-In-Koffer kommt

Mit Blick auf den Stand der Dinge bei den Mitbewerbern Ryanair und Wizz Air ist die Mutmaßung, dass die „Priority Pakete“ primär der Erhöhung der Einnahmen dienen, gar nicht so abwegig. Auf vielen Flügen befinden sich deutlich mehr Passagiere, die für die Mitnahme eines Trolleys in die Tasche greifen als so genannte „Non-Priorities“. Somit ist die Behauptung, dass dadurch mehr Platz in den Gepäckfächern entsteht bzw. das Boarding und Deboarding beschleunigt werden, eher nichtzutreffend. Die Lufthansa Group kündigte übrigens schon vor längerer Zeit an, dass man die Zusatzverkäufe gruppenweit stark ausbauen will. Dazu passt die Änderung der Handgepäckbestimmungen bei Eurowings, von denen die Tarife Smart und Biz nicht betroffen sind, ideal.

Eigenen Angaben nach entspreche die Lufthansa-Tochter mit der geplanten Einführung eines 12-Kilogramm-Gepäckstücks, das am Check-In aufgegeben werden muss, einem großen Kundenwunsch. Auch hier zeigt sich, dass man sich dies von der Konkurrenz abgeschaut und zwei Kilogramm draufgepackt hat. Der genaue Zeitpunkt der Einführung ist noch offen, jedoch sollen hierfür mindestens zehn Euro pro Strecke anfallen. Eurowings strebt die Einführung „voraussichtlich Ende dieses Jahres“ an.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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