Hotels: Zahlen Sie nicht zu viel!

Ehemaliges Hotel Polissja in Pripjat (Foto: Jan Gruber).
Ehemaliges Hotel Polissja in Pripjat (Foto: Jan Gruber).
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Hotels: Zahlen Sie nicht zu viel!

Ehemaliges Hotel Polissja in Pripjat (Foto: Jan Gruber).

Im Internet gibt es tausende Seiten, über die Sie Reservierungen in Hotels tätigen können. Nahezu alle werben mit Bestpreisgarantieren, die allerdings in der Praxis so viele Haken und Ösen haben, dass sie bei manchen Anbietern regelrecht wertlos sind. Auch die Auszahlung der Rückzahlung kann sich als kompliziert herausstellen.

Der wichtigste Tipp vorab: Vertrauen Sie nicht blind jeder Bewertung und jedem Foto im Internet. Leider tummeln sich viele Fakebewertungen. Bleiben Sie kritisch und misstrauisch und bewahren Sie sich so vor Enttäuschungen.

Wie findet man das billigste Hotelzimmer?

Eine durchaus gute Strategie ist, dass man auf verschiedenen Buchungsportalen das Wunschhotel sucht und die Preise vergleicht. Dabei können auch Suchmaschinen wie Trivago hilfreich sein, denn die Vermittler gehen dann gerne mit ihren Preisen runter, um eben möglichst weit oben gelistet zu werden.

Selten beachtet, aber auch eine Möglichkeit zum Sparen: Manchmal haben Reisebüros bzw. Veranstalter so genannte „nur-Hotel-Kontingente“, die wesentlich günstiger angeboten werden als über Vermittlerseiten wie HRS oder Booking.com. Das kann damit zusammenhängen, dass diese Kapazitäten übrig sind, weil man sie nicht im Rahmen von Pauschalreisen absetzen konnte. Da die Veranstalter zumeist mit den Hotels Abnahmegarantien vereinbaren, um günstigere Preise zu bekommen, verscherbelt man gerne mal Restkontingente.

Hat das Buchungsportal immer den besten Preis?

Nein. Es kann am günstigsten sein, muss es aber nicht. Oftmals ist es empfehlenswert auch direkt auf der Homepage des Wunschhotels zu schauen oder aber direkt anzufragen. Schreiben Sie einfach dem Hotel ein E-Mail oder rufen Sie an. Häufig hat man auf Anfrage noch viel attraktivere Angebote, denn es entfallen ja die Vermittlungsprovisionen und viele Hotels geben diesen Vorteil gerne an Direktbucher weiter. Und manchmal kann man auch fragen, ob man am Preis noch was machen kann. Viele Hoteliers sind da flexibel und lassen mit sich verhandeln.

Welche Kostenfallen lauern?

Nicht auf allen Buchungshomepages werden die Storno- und Zahlungsbedingungen gut sichtbar und leicht verständlich ausgewiesen. Das kann aber für Sie sehr wichtig sein, denn wenn Sie eine nicht-stornierbare Rate buchen, die noch dazu sofort bezahlt werden muss, bekommen Sie im Fall der Stornierung überhaupt kein Geld zurück. Auch können Anzahlungen fällig werden, die je nach Bedingungen nicht erstattet werden.

Empfehlenswert ist die Buchung von flexiblen Raten, die nach Möglichkeit erst im Hotel bezahlt werden müssen. Halten Sie aber den spätesten Stornotermin (falls Sie nicht anreisen werden) unbedingt ein, denn das Hotel kann sonst eine No-Show-Gebühr, deren Höhe in den Bedingungen steht, direkt von Ihrer Kreditkarte abbuchen.

Immer wieder gibt es versteckte Kosten, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Meistens handelt es sich dabei um lokale Steuern (Touristensteuer, Bettensteuer, Kurtaxe, etc.), die Sie an der Rezeption beim Check-In bezahlen müssen. Häufig sind diese nicht im Preis eingeschlossen. In manchen Gegenden handelt es sich nur um wenige Cent oder einen einstelligen Euro-Betrag, doch auf den Balearen geht es schnell ins Geld. Das gilt manchmal auch dann, wenn Sie über einen Veranstalter gebucht haben. Informieren Sie sich daher vorher, ob die Steuern eingepreist sind oder nicht.

In seltenen Fällen kann es bei Vorab-Zahlung über einen Vermittler zu Problemen kommen und das Hotel behauptet kein Geld bekommen zu haben. In diesem Fall ist die Reservierung entweder verfallen oder aber Sie werden an Ort und Stelle zur Kasse gebeten. Ruhe bewahren, versuchen Sie den Vermittler zu erreichen und verhandeln Sie ruhig und gelassen mit dem Hotelier. Aus genau diesem Grund ist es oftmals besser direkt beim Hotel zu buchen und die Zahlungsmodalitäten direkt mit dem Hotelier zu vereinbaren, denn dann gibt es keinen „Mittelsmann“.

Glauben Sie nicht, dass wenn Sie Pools, Liegestühle und Wellness auf Fotos sehen, dass dies kostenlos ist. Manche Hotels erheben Extragebühren. Um sich davor schützen zu können: Einfach vor der Buchung anrufen oder ein E-Mail schreiben und nachfragen.

Ich habe ein Hotel am Strand gebucht und es war eine lange Busfahrt vom Strand entfernt. Warum?

Das ist eine sehr ärgerliche Sache, die aber leider häufig vorkommt. Weder Reiseveranstalter, noch Vermittler und schon gleich gar nicht die Hotels selber nehmen es bei den Begriffen „am Stand“ oder „in Strandnähe“ sonderlich genau. Noch dazu heißt „Strand“ nicht, dass es ein Standstrand sein muss, denn auch Kies und Felsen können gar öffentliche Badestrände sein. Auch der herrliche Ausblick auf einen ausgewachsenen Container-Hafen kann Ihnen blühen.

Wie schützt man sich davor? Nun, ganz einfach. Geben Sie einfach den Namen des Hotels oder die Adresse des Hotels in einem Kartendienst wie Google Maps ein und schauen Sie sich einfach die genaue Lage des Hotels an. Manchmal ist sogar Streetview verfügbar und Sie können die Umgebung erkunden. Wenn Ihnen die Lage nicht zusagt, suchen Sie einfach eine andere Unterkunft.

Auf den Fotos schaute das Hotel super aus, aber es war dann doch sehr in die Jahre gekommen?

Wenn man einen Swimmingpool aus einer bestimmten Perspektive aufnimmt, so kann ein Plantschbecken rasch wie ein ausgewachsenes 50-Meter-Schwimmbad wirken. Die meisten Hotels lassen ihre Fotos von Profi-Fotografen, die gelernte Fotografen sind und genau wissen wie man was aufnehmen muss, dass es toll aussieht. Immerhin können professionelle Fotografen nicht nur von Passfotos leben und der Kunde, also das Hotel, erwartet absolute Profiqualität. Der Fotograf ist aber nicht schuld daran, denn er macht ja nur Fotos und veröffentlicht diese nicht.

Googeln Sie einfach den Namen des Hotels und versuchen Sie Amateurfotos von Gästen zu finden. Häufig werden diese auf Bewertungsportalen gepostet oder aber in sozialen Medien. Die Eindrücke, die echte Gäste aufgenommen haben, sind zumeist authentisch und schützen Sie vor enttäuschten Erwartungen.

Das Hotel hatte gute Bewertungen im Internet, aber ich habe es als heruntergekommene Absteige empfunden. Warum ist das so?

Fake-Bewertungen sind ein ganz großes Problem und zwar nicht nur in der Hotellerie, sondern in allen Bereichen. So unglaublich es klingt, aber es gibt Agenturen, die man beauftragen kann, um positive Bewertungen zu bekommen. Umgekehrt gibt es auch die Möglichkeit negative Bewertungen einem Mitbewerber aufzuhetzen. Beides ist eine rechtliche Grauzone, die rechtliche Konsequenzen im Bereich des Wettbewerbsrecht haben kann. Das bringt Ihnen als verärgertet Gast aber mal gar nichts.

Vor Fake-Bewertungen kann man sich nicht gänzlich schützen. Der einzige Weg ist, dass man achtsam ist und misstrauisch wird, wenn besonders viele sehr auffällig positive Bewertungen vorhanden sind. Denken Sie einfach ans tägliche Leben, auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt ein leckeres Essen zu kochen, irgendjemand meckert bestimmt, dass es zu scharf ist, zu salzig oder Sie ihn schief angeschaut hätten. Eindrücke und Empfindungen sind immer subjektiv, d.h. auch bei einem Tophotel findet sich bestimmt immer jemand, der irgendwas zum Meckern hat. Eine gute Mischung aus guten und kritischen Bewertungen ist ein Indiz dafür, dass die Bewertungen echt sind.

Achten Sie auch darauf, dass die Bewertungen mit einem Hinweis „verifiziertet Hotelgast“ (oder vergleichbare Formulierung) gekennzeichnet sind. Gerade bei Buchungsportalen gab es dann einen echten Hotelaufenthalt. Vorsicht bei Bewertungen, die nicht so gekennzeichnet sind. Die können echt sein, müssen es aber nicht.

Einen 100-prozentigen Schutz vor Fake-Bewertungen gibt es leider nicht. Mit kritischem Denken und den Tipps von Aviation.Direct können Sie sich zumindest ein wenig besser schützen. Leider ohne Garantie auf Erfolg.

Mein Zimmer ist schmutzig, im Schrank hängt der Anzug vom Vormieter und der Kühlschrank läuft schon fast alle davon. Muss ich das akzeptieren?

Ganz klar: Nein. Machen Sie Fotos und Videos, um den Fall zu dokumentieren. Vielleicht findet sich auch am Gang zufällig ein anderer Hotelgast, der sich dazu bereiterklärt seine Daten anzugeben und steht Ihnen im Falle des Falles als Zeuge zur Verfügung.

Reklamieren Sie nun bei der Rezeption und verlangen Sie ein anderes Zimmer. Wenn das nicht möglich ist, verlangen Sie eine Ersatzunterkunft. Scheuen Sie nicht davor zurück die Hilfe der lokalen Behörden in Anspruch zu nehmen, denn Gewerbeaufsicht, Polizei und Gesundheitsamt verstehen bei ekelhaften hygienischen Verhältnissen keinen Spaß.

Nun kommt aber noch ein sehr wichtiger Unterschied zwischen Individualreise und Pauschalreise ins Spiel. Was genau der Unterschied zwischen diesen beiden Reisearten ist, können Sie unter diesem Link im Detail nachlesen.

Bei Individualreisen müssen Sie leider das Problem selbst lösen. Eventuell können Ihnen die lokalen Behörden behilflich sein oder der Hotelier lenkt ein, wenn die Polizei vor ihm steht, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Sie müssen Ansprüche wie Preisminderung nach lokalem Recht vor lokalen Gerichten durchsetzen. Ziemlich großer Aufwand und manche Versicherer decken sowas gar nicht in exotischen Ländern.

Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, so ist es viel einfacher. Kontaktieren Sie die örtliche Reiseleitung, zeigen Sie die Mängel und lassen Sie sich diese vom Reiseleiter schriftlich bestätigen. Verlangen Sie eine Verlegung in ein anderes Zimmer oder ein anderes Hotel. Melden Sie die Mängel so rasch wie möglich auch Ihrem Veranstalter oder Reisebüro im Heimatland. Nach Ihrer Rückkunft zu Hause: Reichen Sie sofort ein Begehren auf Reisepreisminderung wegen Mängeln ein. Listen Sie im Detail alle Mängel auf, legen Sie Ihre Fotos, Videos und Bestätigungen der lokalen Reiseleitung in Kopie bei. Schicken Sie Ihr Begehren am besten per Einschreiben.

Auf meiner Reservierungsbestätigung steht, dass ich 300 Euro bezahlen muss, doch im Hotel will man 500 Euro von mir haben. Was kann ich tun?

Leider kommt es immer wieder zu solchen Fällen. Davor können Sie sich eigentlich nur mit einer Buchung über einen Veranstalter oder mit Direktbuchung im Hotel schützen. Oftmals bleibt Ihnen nichts anderes übrig als zu bezahlen. Fordern Sie danach das Geld vom Vermittler, am besten per Einschreiben zurück.

Ich habe über ein Portal mit Bestpreisgarantie gebucht und einen billigeren Preis gefunden. Wie komme ich an mein Geld?

Das ist verdammt schwer zu beantworten, denn die Bedingungen dieser Garantien sind sehr unterschiedlich und mit vielen Haken und Ösen versehen. Noch dazu ändern sich die Preise enorm schnell und die Bearbeitung erfolgt nicht unbedingt immer zügig. Viele Anbieter wollen den Link zum Angebot haben, jedoch gilt jener Preis, der bei der Überprüfung gesehen wird. Hat der Mitbewerber zwischenzeitlich den Preis erhöht, so haben Sie Pech gehabt. War Ihr Antrag auf Bestpreisgarantie erfolgreich, so müssen Sie in der Regel nach dem Aufenthalt die Rechnung per E-Mail an den Vermittler schicken und dieser erstattet Ihnen das Geld. Bei Booking.com kann das sehr mühsam sein, denn die Auszahlung ist nur auf eine Kreditkarte möglich und viele Kartenaussteller lassen Gutschriften auf die Karte nur dann zu, wenn zuvor bei diesem Händler etwas bezahlt wurde. Versuchen Sie eine andere Auszahlungsform zu bekommen, allerdings sind die meisten Portale sehr stur.

Die Bestpreisgarantien haben im Regelfall die Grundbedingung, dass die Leistungen des Mitbewerbers exakt gleich sein müssen. Achten Sie genau darauf in welcher First Sie Ihren Antrag stellen können, denn manchmal gilt das nur am Tag der Buchung.

Zusammengefasst: Die Bestpreisgarantieren halten nicht immer das was sie versprechen und können sehr mühsam in der Abwicklung sein. Vergleichen Sie besser die Preise vorher und buchen Sie dort wo Sie den günstigsten Preis mit den besten Konditionen finden. Fragen Sie auch mal direkt im Hotel nach.

Muss man im Hotel eine Kaution mit Kreditkarte hinterlegen?

Möglich. Manche Hotels verlangen tatsächlich eine Sicherheitsleistung, die auf Ihrer Kredit- oder Debitkarte blockiert wird. Beachten Sie bitte, dass der Betrag Ihnen dann vorrübergehend nicht zur Verfügung steht. Fragen Sie am besten vor der Anreise nach wie das gehandhabt wird. Manche Hotels verlangen gar keine Kaution. Andere bestehen auf Kreditkarten, bei manchen können Sie auch Bargeld hinterlegen und bekommen es – wenn Sie nichts kaputt gemacht haben und alles bezahlt haben – beim Check-Out wieder zurück.

In manchen Ländern ist es üblich, dass gleich beim Check-In der komplette Aufenthalt bezahlt wird. Gerade in Osteuropa werden Sie dieses Verfahren häufig antreffen. Im Westen hingegen ist es eher verbreitet, dass eine Kaution auf der Karte oder in bar hinterlegt wird und erst bei der Abreise bezahlt wird. Es kann sein, dass Ihr Hotel auf die Sicherheitsleistung verzichtet, wenn Sie anbieten, dass Sie gleich beim Check-In bezahlen. Vielleicht räumt man Ihnen dann die Minibar vorsorglich leer, jedoch ist diese in der Regel ohnehin sehr teuer.

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Redakteur dieses Artikels:

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

jan.gruber@aviation.direct

Über den Redakteur

Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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