Im Test: Slovak Lines – der slowakische Zubringer für den Flughafen Wien

Fernbus von Slovak Lines (Foto: Jan Gruber).
Fernbus von Slovak Lines (Foto: Jan Gruber).

Im Test: Slovak Lines – der slowakische Zubringer für den Flughafen Wien

Fernbus von Slovak Lines (Foto: Jan Gruber).
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Der Wettbewerb um Fahrgäste ist scharf, so dass der Servicestandard in den Fernbussen höher ist als beispielsweise in Österreich und Deutschland. Das drückt sich für die Passagiere wie folgt aus: Die Busunternehmer kreuzen bei den Bestellungen ihrer Fahrzeuge wesentlich mehr aufpreispflichtige Extras an und sparen bei der Gestaltung der Fahrgasträume nicht. Auch gibt es in Bratislava den Zugang zu einer echten Lounge am Busbahnhof Nivy. Regiojet versucht mit kostenlosem Kaffee an Bord zu punkten.

Nur weil Slovak Lines aus der Slowakei und damit aus „Osteuropa“ kommt, heißt das noch lange nicht, dass man mit „alten Bussen“ unterwegs ist. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Flotte ist jung und bietet den Fahrgästen so einiges an Komfort, das der Mitbewerber Flixbus nicht hat. Auch ist es ein großer Vorteil, dass man im Gegensatz zum europäischen Marktführer nicht auf Subunternehmer setzt, sondern die Reisebusse selbst mit eigenen Fahrern betreibt.

Im Verkehr zwischen Bratislava und Wien ist Slovak Lines nicht unbedingt der günstigste Anbieter. Zwar hat man immer wieder Aktionen mit Billigtickets um nur einen Euro, jedoch liegt der durchschnittliche Preis bei etwa 9,90 Euro, sofern man online bucht. Direkt beim Busfahrer bzw. an Ticketverkaufsschaltern (zum Beispiel am Busbahnhof Nivy) können die Preise höher sein. Bezahlt werden kann auch beim Lenker mittlerweile auch mit Bankomat- und Kreditkarte, was für internationale Reisende am Flughafen Wien vorteilhaft ist, denn diese müssen sich beim spontanen Zustieg nicht zuvor Euro-Bargeld beschaffen.

Fahrkarten nicht namentlich gebunden – können also weitergegeben werden

Der Buchungsvorgang auf der Slovak-Lines-Homepage ist einfach und erinnert stark an jenen, den man von Fluggesellschaften gewohnt ist. Es gibt auch Sitzplatzreservierungen, wobei diese kostenlos sind. Man wählt einfach während dem Buchungsprozess den gewünschten Sessel aus. Nun sollte man bei der Auswahl von Extras, sofern man ab Bratislava (Nivy) fährt, aufpassen, denn sonst lässt man sich eine Gratis-Leistung entgehen: Die kostenlose „Kaffee-Option“ sollte unbedingt angekreuzt werden, denn dann erhält man gemeinsam mit der Fahrkarte einen Gutschein für die Lounge am Flughafen Bratislava. Dort werden Mineralwasser und Kaffee kostenfrei serviert.

Im Gegensatz zum Mitbewerber Flixbus sind die Fahrkarten von Slovak Lines nicht namentlich ausgestellt. Das bedeutet konkret, dass diese – falls man selbst nicht fahren kann oder noch gar nicht weiß wen man auf den Trip mitnehmen möchte – weitergegeben werden können. Auch ist es möglich diese bis kurz vor der Abfahrt kostenlos zu stornieren. Während dem Buchungsvorgang weist das Unternehmen auf die aktuell gültigen Bedingungen, die im Vergleich mit anderen Anbietern eher kundenfreundlich sind, hin.

Moderne Reisebusse von Setra im Einsatz

Slovak Lines setzt zwischen Wien und Bratislava überwiegend einstöckige Reisebusse des deutschen Herstellers Setra ein. Auf einer von Aviation.Direct durchgeführte Testfahrt zwischen Bratislava (Nivy) und Wien Hbf (Südtiroler Platz) kam ein junger Setra-Bus zum Einsatz. Dieser wirkte äußerst neuwertig und hochwertig ausgestattet. Beispielsweise war der Boden in Holzoptik gestaltet. Die Sitze verfügten über verstellbare Kopfstützen und Armlehnen zwischen den Doppelsitzen.

Die jüngsten Fahrzeuge von Slovak Lines sind nicht mehr mit Einzelbildschirmen ausgestattet. Man bietet nun ein WLAN-basiertes Entertainmentsystem, das beispielsweise vom Handy aus genutzt werden kann. Kostenloses Wifi mit Internetzugang steht während der gesamten Fahrt zur Verfügung. Neu ist auch, dass man keine klassischen Steckdosen mehr hat, sondern USB-Buchsen, die Schnellladen ermöglichen. Warum man sich – im Gegensatz zu Mitbewerbern – gegen klassische Steckdosen entschieden hat, ist nicht so ganz klar.

Die Klapptische in Fernbussen eignen sich aufgrund ihrer Bauform ohnehin nur beschränkt für das Arbeiten an Laptops. Das Abstellen eines Tablet-PCs – beispielsweise um ein Netflix-Video zu schauen – sollte aber problemlos möglich sein. Die Sitze lassen sich – im Gegensatz zum Mitbewerber Regiojet – auch in den Gang verschieben, so dass während der Fahrt der Abstand zu einem eventuellen Sitznachbar erhöht werden kann. Die Beinfreiheit (laservermessen) beträgt 44,6 Zentimeter und ist damit ein wenig größer als bei der Konkurrenz. Fußrasten hat man keine und auch gibt es weder Bordmagazin noch kostenlosen Kaffee an Bord – wohl aber kann man sich diesen in der Lounge am Busbahnhof Bratislava Nivy gratis „abholen“.

Keine Maskenpflicht in der Slowakei

Bei der Testfahrt war ein freundlicher Busfahrer, der sich mit internationalen Fahrgästen gut auf Englisch verständigen konnte, der „Kapitän“. Das Fahrzeug von Slovak Lines hat die slowakische Hauptstadt pünktlich verlassen und den Flughafen Wien überpünktlich erreicht. Die vorhandene Toilette war sauber und wurde aufgrund des Putzmittelgeruchs möglicherweise unmittelbar vor der Fahrt gereinigt. Der Fahrgastraum selbst war anstandslos sauber.

In der Slowakei besteht an Bord von öffentlichen Verkehrsmitteln keine Maskenpflicht mehr. Das bedeutet, dass auf dem slowakischen Streckenabschnitt kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss. In Österreich besteht weiterhin FFP2-Maskenpflicht, jedoch wurde diese während der Testfahrt von allen Fahrgästen kollektiv ignoriert. Auch das österreichische Bundesheer, das am Autobahngrenzübergang Kittsee eine Passkontrolle (keine 3G-Kontrolle, denn die Nachweise interessierten die Soldaten nicht) störten sich nicht daran, dass niemand eine Maske getragen hat.

Fazit: Gute Möglichkeit, um öffentlich nach Bratislava zu kommen

Slovak Lines bietet ein solides, zuverlässiges Produkt an, um zwischen Wien und Bratislava reisen zu können. Preislich liegt man im Regelfall über der Konkurrenz, jedoch punktet man mit dem Loungezugang am Busbahnhof Nivy, der übrigens ein riesiges Einkaufszentrum ist. Für Wiener kann daher der Fernbus nach Bratislava auch für einen Shopping-Ausflug spannend sein, denn die Bussteige befinden sich im „Keller“ des neuen Einkaufszentrums, in dem so ziemlich alle international bekannten Marken vertreten sind.

Für Passagiere, die über den Flughafen Wien-Schwechat nach Bratislava reisen wollen, ist der Slovak Lines Bus eine gute Möglichkeit, um rasch und unkompliziert in die slowakische Hauptstadt bzw. wieder zurück zu kommen. Die Fahrzeuge sind ansprechend und komfortabel ausgestattet und bieten auf dieser kurzen Regel weit mehr als man erwarten würde.

Am Busbahnhof Nivy stehen übrigens zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterreise innerhalb der Slowakei zur Verfügung. Etwaige Wartezeiten kann man sich am wirklich sehr gelungenen Busterminal, das allen „Vorurteilen“, die manche gegenüber Fernbusfahrten haben, aufräumt. Der Shopping-Center, in dessen „Keller“ man mit dem Bus gebracht wird, verfügt über viele Geschäfte und Gastronomie. Sparfüchse können sich beim Lidl, der sich im Center schräg gegenüber der Bussteige befinden, mit billigem Proviant eindecken.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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