Innsbruck-Chef Pernetta: “Wir freuen uns über jeden Flug, der stattfindet!”

Marco Pernetta (Foto: Gerhard Berger).
Marco Pernetta (Foto: Gerhard Berger).

Innsbruck-Chef Pernetta: “Wir freuen uns über jeden Flug, der stattfindet!”

Marco Pernetta (Foto: Gerhard Berger).
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Der Flughafen Innsbruck meldete mit Wirksamkeit zum 1. Oktober 2020 für den Großteil der Belegschaft Kurzarbeit an. Traditionell ist die Wintersaison für den Tiroler Airport besonders wichtig, denn viele Schifahrer und Snowboarder reisen mit Charterflügen an und nutzen dabei diesen Airport.

Im Corona-Jahr ist allerdings alles ein bisschen anders, denn zahlreiche Staaten erklärten Innsbruck und/oder Tirol zum Risikogebiet. Dies hat zur Folge, dass Urlauber bei ihrer Rückkehr in Quarantäne müssen. Das wirkt sich natürlich nachteilig auf die Nachfrage aus. Doch was muss eigentlich geschehen, um Innsbruck und die ganze Branche wieder richtig zum Laufen zu bringen?

Darüber sprach Aviation Direct mit Flughafengeschäftsführer Marco Pernetta, der auch ausführlich darüber berichtet wie hart die letzten Monate für ihn und seine Belegschaft waren. Tiroler lassen sich nicht unterkriegen, dieses Motto lässt sich durchaus auch am Flughafen Innsbruck feststellen, denn man blickt mit Hochspannung in die Zukunft.

Derzeit warten wir gespannt, wie sich die Situation bis zum für uns so wichtigen Winter entwickelt. Eines kann man aber schon jetzt feststellen: Wir freuen uns tatsächlich über jeden Flug, der stattfindet! Dieses Gefühl war uns sicherlich im Winter vor Corona abhandengekommen.

Marco Pernetta, Geschäftsführer des Innsbrucker Flughafens.

Aviation.Direct: Welche Schritte müssen Regierungen und die EU setzen, um der Luftfahrt- und Touristikbranche das Überleben und Comeback ermöglichen zu können?
Marco Pernetta:
Die wichtigsten Schritte wären jetzt natürlich einmal in jedem Land selbst zu treffen, um die gestiegenen Infektionszahlen in den Griff zu bekommen. Andererseits sollte dringend überdacht werden, ob die bisherigen Grenzwerte nicht angepasst werden sollten, da derzeit von den vielen Infizierten sehr viel weniger Personen im Krankenhaus behandelt werden müssen als im Frühjahr zu Beginn der Pandemie. Hierfür wäre ein international abgestimmtes Vorgehen dringend erforderlich und gerade die EU könnte hier eine positive Vorreiterrolle spielen! Was würde denn dagegen sprechen, die Reisewarnungen innerhalb der EU aufzuheben? Es dürfte wohl derzeit nicht wirklich davon abhängen, wo man sich aufhält, sondern wie man sich dort verhält! Man sieht ja jetzt schon ganz klar, dass das Verhalten vieler Mitmenschen gerade in ihrer gewohnten Umgebung um ein Vielfaches mehr zur Verbreitung des Virus beiträgt als die fast zum Erliegen gekommene Reisetätigkeit.

Aviation.Direct: Einige Airlines und die IATA plädieren dazu, dass vor dem Abflug Schnelltests durchgeführt werden sollen. Diese könnten beispielsweise im Zuge der Sicherheitskontrolle gemacht werden. Was halten Sie von der Durchführung von Schnelltests vor jedem Abflug und wie könnten diese bei Ihnen umgesetzt werden?
Marco Pernetta:
Dieses Konzept habe ich noch nicht wirklich verstanden, da ja nicht der Flug an sich in der Kritik steht. Auf Geschäftsreiserouten mag das System vielleicht Sinn machen, bei uns in Tirol mit einem hohen Anteil von Incominggästen aus der ganzen Welt dürfte das aber schwierig werden. Was passiert den mit der englischen Familie, bei der z.B. ein völlig symptomfreies Kind vor Abflug beim Schnelltest positiv getestet wird? Bleibt dann die ganze Familie auf eigene Kosten hier stehen? Wohin sollen die sich denn begeben? Wer zahlt das dann? Also ich denke nicht, dass sich die Leute freiwillig am Urlaubsort vor dem Rückflug testen lassen werden. Bei der Ankunft daheim schaut das vielleicht anders aus, da kann man sich ja dann nach Hause begeben und die weiteren Tests abwarten. Denn das kommt ja noch hinzu: Die Schnelltests haben ja noch eine relativ hohe Fehlerquote. Bis ich dann das Ergebnis vom genaueren PCR Test habe, ist mein Flieger aber schon lange weg.

Aviation.Direct: Bitte beschreiben Sie ein wenig wie Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den plötzlichen Quasi-Stillstand der Luftfahrt erlebt haben und was welche Gefühle und Gedanken hatten Sie? Wie war die Stimmung bei Ihnen als der Flugverkehr nach und nach wieder angelaufen ist?
Marco Pernetta:
Emotional waren das natürlich seit Mitte März extrem herausfordernde Monate! Für alle Beteiligten! Das hat im März damit angefangen, dass wir die letzten Passagiere aus den Tiroler Skigebieten abgefertigt haben, die damals plötzlich mit Masken im Terminal standen, während uns noch alle Mediziner versichert haben, dass wir keine Masken bräuchten. Da war schon eine ganz eigenartige und gedrückte Stimmung im Terminal. Während des Lockdowns war es dann natürlich schon fast gruselig, in dem großen Terminal ganz alleine zu stehen. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war die Kurzarbeit und das plötzliche Homeoffice eine völlig neue Situation. Im Endeffekt waren dann aber sicherlich alle wieder froh, als wir mit 1. Mai für die General Aviation wieder geöffnet haben. Noch wichtiger war dann der Start des Linienflugverkehrs durch Austrian auf der Wien-Strecke Ende Juni. Im Juli waren wir dann mit Linien- und Charterflüge eigentlich auf einem guten Weg; die verschiedenen Reisewarnungen haben aber dann zu dem noch immer anhaltenden erneuten Einbruch der Nachfrage geführt. Schrittweise wurden Strecken komplett eingestellt, Flugprogramme zusammengelegt und die Aufnahme weiterer Strecken um Monate verschoben. Mit 1. Oktober sind wir dann erneut in die Kurzarbeit gegangen, was natürlich für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen erneuten Einschnitt bedeutet. Derzeit warten wir gespannt, wie sich die Situation bis zum für uns so wichtigen Winter entwickelt. Eines kann man aber schon jetzt feststellen: Wir freuen uns tatsächlich über jeden Flug, der stattfindet! Dieses Gefühl war uns sicherlich im Winter vor Corona abhandengekommen.

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