Bereits lange vor der Corona-Pandemie hat die Europäische Union einen langfristigen Fahrplan, der staatliche Zuschüsse für Flughäfen auf Null zurückfahren soll. Ausnahmen sind vorgesehen und betreffen in erster Linie abgelegene Regionen und Inseln. Ryanair fordert nun aber staatliche Subventionen für Airports.
Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Andreas Gruber, Geschäftsführer der ehemaligen Fluggesellschaft Laudamotion und nunmehriger Sprecher für Deutschland, Österreich und die Schweiz, dass staatliche Zuschüsse an Flughäfen wichtig wären, um die Branche wieder in Schwung zu bringen. „Das beste Instrument dafür ist eine Unterstützung der Flughäfen durch die Regierung“, so der Manager.
Laudamotion wurde ab dem Jahr 2018 in mehreren Schritten von Ryanair übernommen. Der Flugbetrieb wurde im Herbst 2020 eingestellt und anschließend worden AOC und Betriebsgenehmigung an die österreichischen Behörden zurückgegeben. Als Nachfolger gründete die Ryanair Holdings plc das auf Malta ansässige Luftfahrtunternehmen Lauda Europe Ltd. Der zuletzt genannte Carrier wird von David O’Brien, der auch als CEO von Malta Air Ltd fungiert, geleitet. Die österreichische Laudamotion GmbH ist nicht mehr als Fluggesellschaft aktiv, jedoch als konzerninterner Dienstleister innerhalb der Ryanair Group. Geschäftsführer der in Schwechat ansässigen Firma ist weiterhin Andreas Gruber.
Im Streckennetz der Fluggesellschaften Ryanair und Wizz Air befindet sich der eine oder andere Airport, der die beiden Billigflieger – oder einen der beiden Anbieter – als einzige Kunden hat. Gelegentlich handelt es sich um Airports, die mit Hilfe öffentlicher Subventionen am Laufen gehalten werden, da diese defizitär sind. In Deutschland werden derartige Flughäfen umgangssprachlich auch „Landratspisten“ genannt.
Allerdings ist das im vorherigen Absatz aufgezeigte Bild seit dem Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr ganz korrekt, denn nahezu alle europäischen Flughäfen sind tief in die roten Zahlen genutzt und in irgendeiner Form gibt es fast überall Zuschüsse. Sei es durch direkte Hilfen oder aber durch Maßnahmen wie Kurzarbeit.
„Dem ‚nationalen Champion‘ kein Geld in den Rachen werfen“
Andreas Gruber vertritt im Namen von Ryanair die Ansicht, dass finanzielle Zuschüsse, die an Flughäfen gewährt werden, in Form von Kostenvorteilen an die Fluggesellschaften weitergegeben werden sollten. In weiterer Folge wären diese in der Lage durch günstige Tarife mehr Passagiere anzuziehen. Das soll die Erholung beschleunigen und letztlich würden der Airport dann mehr verdienen und der Staat mehr Steuereinnahmen (z.B. Luftverkehrssteuer) erzielen.
In Richtung Lufthansa wird aber Kritik geübt: Man fordert unter anderem, dass die neue deutsche Bundesregierung „ein offenes Herz für die Luftfahrt habe und nicht wieder dem ‚nationalen Champion‘ Geld in den Rachen wirft“. Die Anspielung bezieht sich wohl auf Lufthansa, denn der irische Konzern betont die milliardenschwere Staatshilfe, der Kranich mittlerweile auf Kapitalmarktanleihen umgeschuldet hat, in so ziemlich jeder Medienmitteilung.
Die Lösung des Problems sieht Andreas Gruber in neuen Förderprogrammen, die beispielsweise auch preislich abgesenkte Gebührenordnungen sein könnten. Allerdings betont er auch, dass alle Fluggesellschaften für die gleichen Dienstleistungen die gleichen Preise bezahlen sollten.