Klagenfurt: Pattsituation zwischen öffentlicher Hand und Investor

Check-in-Schalter am Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).
Check-in-Schalter am Flughafen Klagenfurt (Foto: René Steuer).

Klagenfurt: Pattsituation zwischen öffentlicher Hand und Investor

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Der Mehrheitseigentümer des Klagenfurter Flughafens, Lilihill Group, wollte die Anteile aufstocken und befand sich dazu mit der Stadt Klagenfurt und dem Land Kärnten in Verhandlungen. Nun sollen diese zumindest vorläufig gescheitert sein, berichtet der Österreichische Rundfunk unter Berufung auf Verhandlerkreise.

Offiziell bestätigen will die Berichterstattung des ORF (noch) niemand, allerdings gelten die Fronten zwischen öffentlicher Hand und dem privaten Investor bereits seit einiger Zeit als verhärtet. Lilihill kündigte vor etwa 1,5 Jahren große Investitionen, die auch den Neubau des Terminals vorgesehen haben, doch umgesetzt wurde nicht viel. Zwei in die Jahre gekommene Hangars wurden aus statischen Gründen dem Erdboden gleich gemacht und ein ehemaliger Laudamotion-Manager wurde für das Airline-Marketing angestellt.

Bereits vor der Corona-Pandemie war in Klagenfurt nicht sonderlich viel los. Ganzjährig wurden nur die Ziele Köln/Bonn und Wien bedient. Temporär gab es immer wieder saisonale Linien- und Charterstrecken, doch ansonsten war es ruhig an Kärntens Flughafen. Die Krise führte nun dazu, dass der Airport erneut überhaupt keine regelmäßigen Flüge hat und abermals die Betriebszeiten, auf die beispielsweise die General Aviation angewiesen ist, stark ausgedünnt hat.

Zukunft der Wien-Anbindung offen

Die Rückkehr von Eurowings gilt als nicht gefährdet, jedoch sieht es im Fall der Austrian Airlines ein wenig anders aus. Die österreichische Lufthansa-Tochter wird mit Ende März 2021 den Betrieb des einzigen Turboprop-Musters, DHC Dash 8-400, beenden. Das kleinste Muster wird dann der Embraer 195 sein. Die Kosten für den Einsatz des Regionaljets auf dieser Ultrakurzstrecke liegen deutlich über jenen der Dash.

Dass die Nachfrage auf Klagenfurt-Wien in den letzten Jahren ohnehin schwach war, ist kein Geheimnis. Die AUA reduzierte auch „vor Corona“ Schritt für Schritt die Frequenzen. Die Route gilt als defizitär und dürfte daher nicht die oberste Priorität beim Wiederausbau des Netzwerks genießen. Ob das Muster Embraer 195 in abermals reduziertem Umfang auf dieser Domestic-Route zum Einsatz kommt oder ob der Carrier sich endgültig aus Kärnten zurückziehen wird, wird sich noch zeigen. Langfristig will Alexis von Hoensbroech keine Inlandsflüge mehr durchführen, wobei davon die profitable Innsbruck-Wien-Strecke wahrscheinlich ausgenommen ist.

Pattsituation zwischen Investor und öffentlicher Hand

Ungeachtet der hinsichtlich dem Flugangebot prekären Situation beabsichtigt die Lilihill Group den Airport nach Möglichkeit komplett zu übernehmen. Für den privaten Investor hätte dies einen ganz entscheidenden Vorteil: Die Politik muss in Entscheidungen nicht mehr eingebunden werden und somit stehen mehr Freiheiten in Sachen Investitionen offen.

Doch genau in diesem Zusammenhang scheinen die Stadt Klagenfurt und das Land Kärnten gewisse Bedenken zu haben, denn der Investor könnte zumindest theoretisch beim Verkehrsministerium den Antrag auf Schließung stellen und anschließend das weitläufige Areal verkaufen. Somit pochen Land und Stadt weiterhin auf ihre gemeinsame Sperrminorität. Lilihill will aber das alleinige Sagen haben – eine Pattsituation, zu der sich weder die verantwortlichen Politiker noch der Investor äußern wollten.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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