Sparpaket verärgert AUA-Mitarbeiter zunehmend

Embraer 195 (Foto: Jan Gruber).
Embraer 195 (Foto: Jan Gruber).

Sparpaket verärgert AUA-Mitarbeiter zunehmend

Embraer 195 (Foto: Jan Gruber).
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Das aufgrund der Corona-Pandemie mit Gewerkschaft und Betriebsrat vereinbarte Sparpaket bei Austrian Airlines sorgt zunehmend für Unmut in der Belegschaft. Die ÖGB-Teilgewerkschaft Vida fordert eine Neuverhandlung, denn dieses wäre unter völlig anderen Voraussetzungen als jene, die momentan der Fall sind, vereinbart worden.

Beim fliegenden Personal verdienen Co-Piloten und junge Flugbegleiter bei den immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Mitbewerbern Lauda Europe und Wizz Air mittlerweile deutlich besser als bei Austrian Airlines. Hintergrund ist, dass die Gehälter zum Teil drastisch gekürzt sind und das mit Zustimmung von Betriebsrat und Gewerkschaft. Im Rahmen des Sparpakets müssen die Bediensteten drei Jahre lang auf Teile ihrer Bezüge verzichten. Heuer gibt es zehn Prozent weniger, im kommenden Jahr um 13 Prozent weniger und im Jahr drei um sieben Prozent weniger. Offiziell ist die Rede von “Verzicht”, jedoch kann von Freiwilligkeit keine Rede sein, denn Geschäftsführung, Gewerkschaft und Betriebsrat haben dies gemeinsam als “Krisenbeitrag” beschlossen. Eine echte Einspruchsmöglichkeit für die Betroffenen bestand nicht, dennoch hat die Belegschaft mit großer Mehrheit zugestimmt. Offenbar dachten viele nur kurzfristig an den Joberhalt und nicht an die Folgewirkung ihrer Zustimmung gegenüber ihren Arbeitnehmervertretern.

Mittlerweile haben einige Flugbegleiter Austrian Airlines verlassen, denn selbst für das Reinigen der Dienstkleidung muss das Personal mittlerweile selbst aufkommen. Bis zu 25 Euro pro Putzerei-Vorgang fallen an. Über das gesamte Monat gesehen kann sich ein stolzer Betrag ansammeln, was besonderes das Kabinenpersonal, das neben dem Boden-Servicemitarbeitern stark von den Lohnkürzungen betroffen ist.

Kein Frühstück im Hotel, keine Crew-Meals und Uniform-Reinigung muss selbst bezahlt werden

Dazu kommen zum Teil absurde Sparmaßnahmen wie beispielsweise das Streichen von Frühstück bei Hotelübernachtungen (beispielsweise nach Nightstopps) oder Nichtgewähren von Mahlzeiten. Vor der Corona-Pandemie war dies selbstverständlich, jedoch bekommen die AUA-Flugbegleiter selbst auf Langstreckenflügen keine Crew-Meals mehr. Selbst eine Jause mitbringen oder für das Essen bezahlen ist der aktuelle Stand der Dinge.

Im Gespräch mit Aviation.Direct bezeichnet eine AUA-Flugbegleiterin, die aus Sorge um ihren Arbeitsplatz anonym bleiben möchte, die momentanen Arbeitsbedingungen als untragbar, zumal der monatliche Bezug – unter Berücksichtigung von Kosten, die nun selbst getragen werden müssen – kaum zum Leben ausreiche. Weiters gab sie an, dass sie und viele ihrer Kollegen geringfügige Nebenjobs in der Gastronomie und im Handel ausüben würden, um “irgendwie über die Runden zu kommen”. Ein direkter Vergleich aktueller Lohnzettel von Flugbegleitern mit vergleichbarer Betriebszugehörigkeit bei Lauda Europe und Wizz Air hat ergeben, dass die Bezüge bei Austrian Airlines deutlich unter jenen der vermeintlichen Billig-Konkurrenz liegen.

Dies ist insofern ein wenig verwunderlich, da der AUA-Vorstand in regelmäßigen Abständen den Mitbewerb heftig kritisiert und zwar sowohl hinsichtlich der Flugpreise als auch hinsichtlich behaupteter niedriger Bezahlung. Aus vorliegenden Dokumenten geht hervor, dass man zumindest im Bereich der Co-Piloten und der jungen Flugbegleiter sprichwörtlich mit Steinen aus dem Glashaus wirft, denn für die Betroffenen zählt der Netto-Betrag, der am Monatsende auf das Girokonto überwiesen wird.

Neue AUA-Kabine im Airbus A320 (Foto: Granit Pireci).

Dieser war bei den AUA-Flugbegleitern über fast zwei Jahre hinweg recht niedrig, denn das Arbeitsmarktservice berücksichtigt bei der Kurzarbeit nur das Grundgehalt. Etwaige Zulagen, Diäten, Spesen und flugstundenabhängige Zahlungen fanden aus gesetzlichen Gründen keine Berücksichtigung. Besonders hart traf es AUA-Kabinenpersonal mit junger Betriebszugehörigkeit, denn deren Gehalt liegt sogar unter jenem der Konzernschwester Eurowings Europe. Etwa 1.400 Euro brutto für Vollzeitarbeit erhalten die jungen Flugbegleiter von Austrian Airlines ohne Berücksichtigung der Sparmaßnahmen. Der ehemalige AUA-Chef Alexis von Hoensbroech räumte ein, dass man sich ohne Kurzarbeit von vielen Mitarbeitern hätte trennen müssen.

Vor der Corona-Pandemie galt Austrian Airlines unter den am Flughafen Wien ansässigen Fluggesellschaften als sozialster Arbeitgeber. Kritik gab es schon immer, jedoch gewährte die Lufthansa-Tochter ihren Beschäftigten zahlreiche Extras, die es beispielsweise bei Lauda und Wizz Air nicht gab. Beispiele: Crew-Meals, Reinigung der Uniformen und zum Teil durchaus noble Hotelunterkünfte bei Nightstopps. Bei letzterem war es selbstverständlich, dass es nach der Übernachtung ein Frühstück gab. Mittlerweile müssen die AUA-Beschäftigten auch hierfür in die Tasche greifen.

Ticketpreise über Jahre hinweg schleichend gestiegen

Erst kürzlich erhöhte Austrian Airlines unter dem Vorwand der gestiegenen Treibstoffpreise abermals die Flugscheinpreise. Über die letzten zehn Jahre gesehen wurden diese schleichend über die Kürzung der inkludierten Leistungen stark erhöht. Unter dem Deckmantel “ohne Koffer wird es billiger” führte man Tarife ein, die kein Gepäck enthalten, jedoch zahlen Passagiere mehr als vorher, auch dann wenn “kofferlos” geflogen wird. Die auf der Kurz- und Mittelstrecke inkludierten Snacks und Getränke wurden in der Economy-Class unter dem Vorwand “Reduzierung von Kontakten” zunächst auf Wasser, Tee und Kaffee zurückgefahren, ehe man das von Billigfliegern schon lange praktizierte Paid-Catering einführte. Die Flugscheinpreise sind nicht um das “eingesparte Inklusivcatering” reduziert worden, sondern auf klassischen Geschäftsreisendenstrecken seit Juni 2020 schleichend gestiegen.

Lediglich auf Routen, die nicht sonderlich stark nachgefragt sind oder aber Konkurrenten wie Ryanair oder Wizz Air ordentlich Paroli bieten, ist bislang von den Preiserhöhungen nur wenig zu spüren. In der offiziellen Vertriebsmitteilung der Lufthansa Group war auch explizit die Rede davon, dass man sich auf Strecken, auf denen man in starkem Wettbewerb steht, vorbehält auch weiterhin mit Aktionspreisen auf Kundenfang zu gehen.

Unter Bediensteten der Austrian Airlines kommt die Fragestellung auf warum trotz der enormen Teuerungen im Alltag – beispielsweise für Strom, Gas und Lebensmittel – weiterhin auf Gehalt verzichtet werden soll. Die Flugzeuge wären wieder voll und Austrian Airlines würde es gelingen einen höheren Yield als vor der Pandemie zu erzielen. Obendrein hätte der Staat einen nichtrückzahlbaren Zuschuss in der Höhe von 150 Millionen Euro gewährt und dieser sollte auch zur Sicherung der Arbeitsplätze dienen. Die Personalkosten wären aufgrund der fast zweijährigen Kurzarbeit des fliegenden Personals fast komplett vom Staat übernommen worden. In den Bereichen Technik und kaufmännische Mitarbeiter befindet sich Austrian Airlines noch immer in Kurzarbeit. Der Vorwurf der AUA-Mitarbeiterin, die in der Öffentlichkeit anonym bleiben möchte: “Der Staat hat den Großteil unserer Löhne übernommen, so dass die AUA fast zwei Jahre lang keine Lohnkosten hatte. 150 Millionen Euro sind an die AUA geflossen und wir müssen wegen dem Sparpaket weiter auf Teile unserer Löhne verzichten. Den Passagieren bietet man an Bord nur noch sowas wie ein Ryanair-Produkt, also Buy on Board, und was soll man sich dabei denken? Profitmaximierung zu Lasten von uns Mitarbeitern?”.

Paid-Catering bei der AUA (Foto: Granit Pireci).

Austrian Airlines verweist auf vereinbarte Krisenkollektivverträge

Dreh- und Angelpunkt der momentanen Unzufriedenheit ist das zwischen Geschäftsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbarte Sparpaket. Dieses gilt bis zum Jahr 2024, denn dann stehen auch Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag an. Die Medienstelle von Austrian Airlines erklärte dazu zuerst gegenüber dem Österreichischen Rundfunk: „Wie schon lange bekannt hat Austrian zu Beginn der Pandemie ein Krisenpaket geschnürt, um den Weiterbestand des Unternehmens zu sichern. Einsparungsmaßnahmen, die von allen Mitarbeitern wie auch vom Betriebsrat und der Gewerkschaft mitgetragen werden, sind Teil des Krisenkollektivvertrages. Die Krisenkollektivverträge wurden mit den zuständigen Betriebsräten und Gewerkschaften geschlossen.“

Es ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Arbeitnehmervertreter über die Eckpunkte des Sparpakets haben abstimmen lassen bzw. sich die Zustimmung zum Vertragsabschluss eingeholt haben. Allerdings kritisieren sowohl Gewerkschafter als auch AUA-Mitarbeiter, dass man zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine andere Wahl gehabt habe, denn die Alternative wären mitunter hunderte, wenn nicht tausende Kündigungen gewesen. Unter vorgehaltener Hand sagt ein Arbeitnehmervertreter, dass das Sparpaket auch Grundbedingung dafür war, dass der Staat und Lufthansa Geld an Austrian Airlines überweisen. Ohne dieses hätte es das Rettungspaket nicht gegeben, so dass aus heutiger Sicht von einer “echten Freiwilligkeit” bei der Zustimmung keine Rede sein könne.

Die Kritik richtet sich aber nicht primär in Richtung Frankfurt, sondern eher an die österreichische Regierung, die es im Zuge der Staatshilfe und des -kredits verabsäumt habe verbindliche Job- und Lohngarantien durchzusetzen. Unter diesem Versäumnis würden nun die AUA-Mitarbeiter in den niedrigsten Lohnstufen besonders stark leiden. Mittlerweile hätten so viele Flugbegleiter das Unternehmen verlassen, dass man sich auf der Suche nach etwa 150 Kabinenmitarbeitern befindet. Diese steigen in der untersten Senioritätsstufe ein und sind ebenfalls vom “Gehaltsverzicht” betroffen. Immerhin: Nach anfänglicher Kritik, die daraus resultierende, dass nur eine kleine Personengruppe einen Coronabonus bekommen sollte, werden nun fast alle Beschäftigten einmalig rund 500 Euro extra bekommen. Für Neueinsteiger gilt dies nicht.

Innerhalb von Austrian Airlines wächst nun der Druck auf Betriebsrat und Gewerkschaft, denn viele AUA-Mitarbeiter sind der Ansicht, dass diese zu Beginn der Pandemie – aus heutiger Sicht – schlecht verhandelt hätten und “gefühlt so ziemlich allem, das der Vorstand wollte, zugestimmt haben”. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Vida nun eine Neuverhandlung und damit Korrektur des AUA-Sparpakets erreichen will.

AUA-Flaggen am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Vida will neu verhandeln – Für Wizz-Air-Flugbegleiter war die Krise noch härter

Unter anderem erklärt Daniel Liebhart, Fachbereichsleiter Luftfahrt bei Vida, gegenüber dem Österreichischen Rundfunk, dass der aktuelle Krisenvertrag unter komplett anderen Rahmenbedingungen abgeschlossen wurde. Damals wäre für die Arbeitnehmer und auch die Geschäftsleitung nicht vorhersehbar gewesen. Die stark gestiegenen Kosten im Alltag sind somit nicht berücksichtigt. Es dränge sich daher die Überlegung auf, dass das Sparpaket neu verhandelt werden muss und die aktuelle Situation “für die Mitarbeiter auch erträglich wird”. Somit ist davon auszugehen, dass Betriebsrat und Vida Verhandlungen über eine Reduktion der Lohnkürzungen aufnehmen wollen. Wie darauf der AUA-Vorstand reagieren wird, ist noch völlig offen.

Viele Luftfahrtbetriebe in Europa haben im Zuge der Corona-Pandemie Sparpakete mit ihren Personalvertretungen ausverhandelt. Je nach Firma sind diese äußerst unterschiedlich ausgefallen. Viele Flughäfen und Airlines haben mittlerweile Personalmangel, weil sich zahlreiche Beschäftigte nach neuen Jobs in anderen Branchen umgesehen haben. Bei manchen Airports und Carriern wurde auch im großen Stil gekündigt und nun hat man sprichwörtlich den Salat, denn genau diese Mitarbeiter fehlen nun und das Interesse neu in die Luftfahrt einzusteigen hält sich besonders bei Flugbegleitern in sehr eng gesteckten Grenzen. 

Wizz Air und Austrian Airlines am Flughafen Wien (Foto: Jan Gruber).

Ein durchaus hartes Beispiel für Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Belegschaft ist die Vorgehensweise, die Wizz Air an der Basis Wien gewählt hatte. Im Gegensatz zu Austrian Airlines meldete man keine Kurzarbeit an, sondern bezahlte dem Personal lediglich den Grundlohn aus. Der Löwenanteil des monatlichen Gehalts wird bei dieser Fluggesellschaft aber durch flugabhängige Arbeitsleistung (“Sektoren”) generiert. So kam es dazu, dass beispielsweise Flugbegleiter, die eigentlich eine Vollzeitbeschäftigung hatten, nur rund 756 Euro überwiesen bekommen haben. Viele kehrten daher in den Jahren 2020 und 2021 dem ungarischen Billigflieger den Rücken, denn angesichts des starken Jahres 2019, das beim Arbeitsmarktservice als Bemessungsgrundlage diente, gab es in der Arbeitslosigkeit mehr aufs Konto. Die meisten, die sich für diesen Weg entschieden haben, arbeiten mittlerweile in anderen Branchen, beispielsweise in Supermärkten. Das Resultat war, dass Wizz Air im Sommer des Vorjahres in Wien mit akutem Personalmangel zu kämpfen hatte.

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Jan Gruber ist Leitender Redakteur von Aviation.Direct. Zuvor war er seit 2012 in selbiger Funktion bei AviationNetOnline (vormals Austrian Aviation Net) tätig. Er ist auf Lowcost-Carrier, Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region und tiefgehende Recherchen spezialisiert.

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